Das Recht auf Belanglosigkeit

Ein Krimi, eigentlich. Doch Leon de Winter will mehr. In seinem neuen Roman «Das Recht auf Rückkehr» entwirft der niederländische Autor ein düsteres Zukunftsgemälde des Nahen Ostens. Und leitet daraus Schlüsse für die Wirklichkeit ab.

 

Was wäre, wenn Israel einmal nicht mehr die stärkste Militärmacht im Nahen Osten wäre? Wenn der Judenstaat geschrumpft wäre auf ein kümmerliches Restgebilde im Großraum Tel Aviv – bedrängt von Palästinensern und arabischen Nachbarstaaten? Bedroht, von der Landkarte des östlichen Mittelmeerraumes zu verschwinden wie einst die Kreuzfahrerstaaten?

Das Recht auf Rückkehr (Foto: Diogenes)Vor dem Hintergrund solch düsterer Visionen spielt «Das Recht auf Rückkehr», der im Herbst auf Deutsch erschienene neueste Roman des niederländischen Schriftstellers Leon de Winter. In einer überalterten, zerfallenden israelischen Gesellschaft des Jahres 2024 sucht Protagonist Bram Mannheim seinen Jahre früher von islamischen Terroristen entführten Sohn. Er findet ihn schließlich – doch damit ist noch nicht gesagt, dass er ihn auch zurückgewinnen kann.

Die Handlung eines Krimis also. De Winter aber will mehr, er will zu viel, und deswegen bleibt vieles unscharf: Die Sprache, der zumindest in der deutschen Übersetzung literarische Brillianz fehlt. Das Personal, denn ein Profil haben nur die Guten. Die Gegner bleiben schemenhaft, ihre Motive obskur. Feinde eben, was sie bewegt, spielt keine Rolle. Warum der finstere Terrorscheich das Kind des Helden entführt? Da muss der Hinweis auf Zwangsrekrutierungspraktiken mittelalterlicher muslimischer Herrscher herhalten.

Natürlich, ein Roman darf Fragen offen lassen. Er muss nicht erklären und differenzieren, er kann andeuten, seine Figuren können einfach böse sein. «Das Recht auf Rückkehr» aber soll nicht nur ein Roman sein. Es ist auch ein politisches Buch.

Leon de Winter glaubt nicht an Frieden zwischen Israelis und Arabern. Sein Buch ist ein Manifest gegen Kompromisse und Versuche der Verständigung. Schaut her, wohin es führen kann, wenn wir zu nachgiebig sind – das ist die Botschaft, die der Autor seinen Lesern in Israel,  Europa und Amerika ans Herz legt.

Für eine solche These aber taugt sein Text nicht als Beweisführung. Da sollten die Argumente schon stichhaltiger sein, als es De Winters apokalyptische Visionen und abstruse Anleihen aus der Geschichte sind.

So bleibt eben nur ein etwas belangloser Kriminalroman übrig, mit einigen spannenden Momenten und vielen offenen Fragen. Man kann «Das Recht auf Rückkehr» lesen, und sich dabei vielleicht auch amüsieren. Ein Beitrag zur Nahostdebatte ist das Buch nicht.

Interview mit Leon de Winter bei morgenland: «Wir müssen unsere Träume aufgeben»

Fotos: Wikimedia Commons/MathKnight & Zachi Evenor – Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0 (1); Diogenes (1)

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