Der Vorschuss-Nobelpreis

Barack Obama bekommt den Friedensnobelpreis. Schön für Amerikas Hoffnungsträger. Nur: Wofür wird er eigentlich ausgezeichnet? Noch hat Obama friedensmäßig nichts gerissen – auch nicht im Nahen Osten. Dafür hat er noch alle Chancen, dort Krieg zu führen.

Ja sicher, wir sind alle froh, dass Barack Obama im Weißen Haus sitzt, und nicht mehr George W. Bush. Jemand, der Barack Hussein Obama heißt und einen Teil seiner Jugend in Indonesien verbracht hat, so jemand muss ja einfach offener sein gegenüber der islamischen Welt, mit weniger Paranoia auf ihre Bewohner schauen. Ganz abgesehen davon, dass Obama wohl ganz einfach etwas mehr im Kopf hat als Cowboy-George.

Es hat ja auch, aus Orient-Sicht, ganz gut angefangen mit seiner Präsidentschaft: Staatsbesuch in Ankara, um die türkische Seele zu streicheln. Entspannungssignale an den Iran, klare Worte nach Israel. Und dann natürlich die vielbeachtete Rede an die Muslime in Kairo, in der Obama verbal die Hand ausstreckte, was sehr offen klang und wohl auch so gemeint war.

Nicht zuletzt wegen seiner Bereitschaft, auf die islamische Welt zuzugehen, bekommt Barack Obama jetzt den Friedensnobelpreis. Und das ist eine tragische Fehlentscheidung des Nobelkomitees. Denn so ehrenwert Obamas ausgestreckte Hand ist: Dieser Preis kommt zu früh.

Der US-Präsident steht noch am Anfang seiner Amtszeit, und viel erreicht hat er bisher nicht. Der Siedlungsbau in Palästina geht weiter, ohne dass Obama den Druck auf Israels Regierung ernsthaft erhöht hätte. Das Gefangenenlager Guantanamo ist nach wie vor in Betrieb, ganz zu schweigen von Bagram bei Kabul. Und überhaupt, Afghanistan: Die Lage am Hindukusch ist desaströs: Kämpfe, Bomben, und eine Regierung mit mehr als zweifelhafter demokratischer Legitimation. Wofür dann also der Nobelpreis? Er ist nichts als ein Vorschuss auf das, was noch kommen könnte.

Was tatsächlich kommen wird, weiß niemand: vielleicht Fortschritte im Nahostkonflikt, vielleicht aber auch ein Krieg gegen den Iran. Gut sähe das nicht aus, wenn der Islamfreund-Nobelpreisträger Obama seine Bomber nach Isfahan oder in die heilige Stadt Ghom schicken würde. Das wird den Oberbefehlshaber-Nobelpreisträger Obama im Zweifel nicht vom Angriff abhalten. Der Friedensnobelpreis aber verliert dann jeden Wert.

Foto: jetheriot/flickr – Creative-Commons-Lizenz CC BY 2.0

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